Forum Eine Welt e.V. Backnang

Global Mamas beginnen erste Fair Trade Zone (FTZ) in Afrika


Aktuell: Der Rohbau des ersten Gebäudes ist fertig!

Wir freuen uns sehr über die Fertigstellung des Rohbaus für den Bauabschnitt 0.5 der Fair Trade Zone der Global Mamas in Ghana! Die Abrechnung der Maßnahme bei der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) ist geschehen. Jetzt muss die SEZ die Abrechnung noch bestätigen.

Es war ein langer Weg von der Beantragung der Mittel bei der SEZ im Jahr 2018 bis heute. Bauplatzprobleme und der dadurch nötige Bauplatzwechsel, dann Corona und parallel dazu fehlende ökologische und andere geeignete Baumaterialien verzögerten die Fertigstellung. Immer wieder erhielten wir Zwischenstände durch Bilder, die beiden neuesten zeigen den derzeitigen Stand der Dinge.

Wir bedanken uns sehr herzlich für alle Unterstützung, die Einzelpersonen und Gruppen diesem Start der Fair Trade Zone über uns haben zukommen lassen! Die Fair Trade Zone entwickelt sich weiter. Sie braucht auch in Zukunft unsere Unterstützung.

HIer die ersten Fotos von den weiteren Fortschritt, über den bisher ersten Bau (im Vordergrund) hinaus:

Global Mamas in Ghana

Wir unterstützen das Projekt der „Global Mamas“ durch ideele Unterstützung, die Vermittlung von Zuschüssen, eigene Spenden und die Weiterleitung von Spenden.

Global Mamas besteht seit nunmehr 15 Jahren und hat es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere Frauen in Ghana zu fördern. Global Mamas arbeitet mit Frauen in ganz Ghana zusammen, um fair gehandelte Produkte zu produzieren und zu verkaufen. Dies tun sie mit Erfolg, indem sie Frauen ausbilden und ihnen existenzsichernde Arbeitsplätze anbieten.

Global Mamas produziert Bekleidung und Heimtextilien aus Bio-Baumwolle und stellt die Stoffe dafür in Wachsbatik-Technik her. Außerdem produziert Global Mamas Schmuck aus Recyclingglas und Kosmetik aus Shea-Butter. Insgesamt produziert Global Mamas an neun verschiedenen Produktionsstätten in Ghana.

Um die steigende Produktnachfrage zu decken, plant Global Mamas den Bau der weltweit ersten FTZ, einer umweltfreundlichen, zentralisierten Produktionsstätte, die 200 qualifizierten Handwerkerinnen in der östlichen Region Ghanas beschäftigen wird. Das erste Haus davon ist jetzt fertiggestellt!

Das Gelände soll im Stil eines Campus errichtet werden und neben dem Platz für den Stoffdruck und die Näherei auch eine Kindertagesstätte, Seminarräume und ein kleines Hostel beherbergen. Ziel soll es sein, neben einer effektiven und zentralen Produktion, auch Seminare abzuhalten und Begegnungen stattfinden zu lassen.

Das FTZ wird eine Atmosphäre des Lernens für Frauen fördern, Frauenprogramme betreuen, Teamwork durch kleine Produktionsteams fördern, sowie die Gesundheitsvorsorge durch regelmäßige Gesundheits- und Vorsorgeuntersuchungen sichern.

Die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ) unterstützt die Fair Trade Zone

Die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit unterstützt mit Mitteln des Staatsministeriums Baden-Württemberg den Bau der Fair Trade Zone. Unser Projektantrag wurde bewilligt und wir haben den Maximalbetrag von € 20.000,- erhalten. Die erforderlichen Eigenmittel in Höhe von € 3.000,- sind schon lange vorhanden.

Außerdem haben wir von anderen Weltläden und von Privatpersonen Spenden für die FTZ erhalten und bisher 14.500,- € (Stand 1.1.2021) weitergeleitet.

Einblicke in die vielseitige Arbeit erhält man unter: http://www.globalmamas.org.

Fortschritte beim Bau der FTZ

Nach vielen Verzögerungen und Rückschlägen konnte endlich mit dem Bau der Gebäude der FTZ 0.5 begonnen werden. Leider auch dies mit Verspätung, da aufgrund der Coronapandemie in Ghana die Baumaterialien zum Teil nicht verfügbar waren. Man hätte nur weniger nachhaltige Materialien einsetzen können. Dies kam jedoch nicht in Frage. Es soll schliesslich ein rundum nachhaltiges Projekt entstehen.

Die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ) Baden-Württemberg hat dankenswerterweise die Projektlaufzeit verlängert. Geplant ist nun die FTZ 0.5 bis spätestens Ende Juli 2021 zu errichten.

Unterstützung für die FTZ der Global Mamas.

Sie können die wichtige Arbeit von Global Mamas in Ghana weiterhin fördern. Wir werden auch den nächsten Bauabschnitt unterstützen. Dadurch erhalten Menschen in dieser Region ein sicheres Einkommen und es kann eine nachhaltige Infrastruktur aufgebaut werden.

Spendenkonto des Forum Eine Welt e.V.:

IBAN:DE 29 6025 0010 0008 2840 17 bei der KSK Waiblingen
Verwendungszweck: "Global Mamas - FTZ"

Wir stellen gerne eine Spendenbescheinigung aus! Geben Sie dazu bei der Überweisung bitte Ihren Namen und vollständige Anschrift an.

Grundstück gesichert und neue Planung im Gange!

Die Neuplanung nach dem Grundstückswechsel ist im Gange. Und das Grundstück ist durch einen Zaun gesichert! Diesmal hat niemand Anspruch auf das Gelände erhoben.

Die Anpassung der Pläne erfolgt nicht nur an das neue Grundstück, sondern auch an neue Gegebenheiten. Aufgrund der Coronapandemie ist leider auch der Umsatz bei Global Mamas massiv eingebrochen. Deshalb muss die Planung angepasst werden. Es wird nun ein veränderter Umfang umgesetzt. Es gibt keine Phase 1 und 2 mehr, sondern es ist der zügige Bau auf einmal geplant. Allerdings wird zum Testen des Konzepts nun eine verkleinerte Phase (Fair-Trade-Zone 0.5) vorab ausgeführt. (Davon ist oben schon der Anfang zu sehen). Diese Phase profitiert auch von der bereits zugesagten Förderung durch die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ), welche auf das neue Konzept übertragen werden durfte.

Und ein weiterer Erfolg dank etlicher Spenderinnen und Spender, vor allem Weltläden: Wir konnten als FEW bisher schon € 14.500,- (Stand 1.1.2021) Spendengelder an Global Mamas weiterleiten. Nur so konnten die Schwierigkeiten und Verzögerungen aufgefangen werden. Der gesamte Ursprungsetat steht somit weiterhin für den Bau der FTZ zur Verfügung.


Neustart mit neuem Grundstück

Das Grundstück war gekauft und alles in trockenen Tüchern. Nachdem mit den Arbeiten zum Einzäunen des Grundstücks begonnen werden sollte, wurde von dritter Seite Anspruch auf das Grundstück erhoben. Nun gibt es in Ghana kein Grundbuch wie in Deutschland. Diese bedeutete, dass die Arbeiten nicht weitergehen konnten, Ein gerichtliche Klärung dauert. Erfreulicherweise konnte mit der Verkäuferfamilie ein Deal gemacht werden. Das Grundstück wurde getauscht. Global Mamas erhielt ein anderes, definitiv unumstrittenes Grundstück, das noch besser geeignet war. Allerdings hat das Projekt dadurch eine Verzögerung von ca. zehn Monaten.

Deshalb musste die Planung neu beginnen und auf das neue Grundstück angepasst werden.

Die Gebäude werden aus nachwachsenden und Upcycling-Materialien errichtet, um sie kostengünstig zu erstellen und zu betreiben. Die Dächer werden in V-Form geplant, um Regenwasser zu nutzen und mit Sonnenkollektoren bestückt zu werden. Der komplette Betrieb der FTZ soll CO2-neutral sein und mit Solar- und Windkraft betrieben werden.

Die Kosten für das komplette FTZ werden sich auf 750.000,- U$ belaufen. Geplant ist aber, das FTZ in Modulen, je nach den finanziellen Möglichkeiten zu erbauen. Zunächst geht es darum, die Phase 1 des Projektes zu finanzieren. Global Mamas hat bereits das Gelände erworben und möchte nun die ersten Gebäude erreichten in denen dann Platz für die ersten ca. 20 Personen ist.

Es fehlen momentan (Stand März 2021) ca. 36.000,- U$, um den ersten Abschnitt zu realisieren.

Diese erste Stufe / Phase 0,5 der FTZ schafft zunächst Platz für 20 Handwerkerinnen. Sie wird wertvolle Erkenntnisse darüber liefern, wie verschiedene innovative lokale und nachhaltige Baumaterialien am effektivsten eingesetzt werden können. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen dafür genutzt werden, um rasch und effektiv die größere FTZ-Phase 2 zu realisieren, die dann weitere 180 Frauen beschäftigen wird.

Das Gebäude für Phase 0,5 wird so gestaltet, dass es in der größeren FTZ-Phase 2 als Kinderkrippe für berufstätige Mütter genutzt werden kann. Nach dem Bau der FTZ wird sich diese durch den Verkauf von Produkten selbst tragen.

Wir werden das Projekt auch weiterhin unterstützen und freuen uns über alle Mithilfe für die Global Mamas und ihr Projekt einer FTZ.

Zur Geschichte der Global Mamas

Global Mamas wurde 2003 gegründet und ist eine ghanaische Nichtregierungsorganisation (NGO), die 340 Frauen an zehn Standorten in Ghana beschäftigt und Produkte in zahlreiche Länder verkauft. Durch die Produktion von handgefertigten Textilien, Accessoires, Schmuck und Pflegeprodukten in höchster Qualität ist es Global Mamas in den letzten fünfzehn Jahren gelungen, diesen Frauen und ihren Familien ein Leben in bescheidenem Wohlstand zu ermöglichen.

2003 mit nur sechs Näherinnen gegründet, ist die Organisation durch den Einsatz von Handwerkern, lokalem Wissen und tiefgreifenden Beziehungen organisch gewachsen. Zwei der Gründerinnen kommen aus den USA, haben dort BWL studiert und arbeiten heute im Management.

In den ersten Jahren des Betriebs hat Global Mamas mit der Einstellung einzelner Handwerker eine dezentrale Fertigungsstruktur aufgebaut, aber nach kurzer Zeit einen kritischen Punkt erreicht. Eine kontinuierliche Produktqualität und die Einhaltung von Lieferterminen waren schwer zu erreichen, was zu kostspieligem Ausschuss und verpassten Absatzchancen führte.

Im Jahr 2010 startete Global Mamas zwei zentralisierte Fair-Trade-Produktionsstätten, zunächst in Odumase-Krobo und später in Ashaiman-Tema, mit Vollzeit-Handwerkerinnen, die unter einem Dach arbeiten. Seitdem hat Global Mamas nicht nur die Produktqualität verbessert, was zu höheren Aufträgen und geringeren Ausschusskosten geführt hat, sondern auch zu einem nominalen Wachstum. Global Mamas hat gezeigt, dass die Herstellung in einer Fabrik zu 100% fair gehandhabt werden kann und zu substanziellen und nachhaltigen Auswirkungen für mehr Frauen führt.

Aus diesem Grund wurde entschieden, die nun projektierte FTZ zu bauen, um das bisher Erreichte abzusichern und Global Mamas eine langfristige Perspektive zu ermöglichen. Für die Errichtung der Fair Trade Zone hat Global Mamas etliche Jahre Spendengelder eingeworben, die es ihnen nun ermöglichte, im August 2018 in Akuse ein Gelände zu erwerben.

Global Mamas ist ein zertifiziertes Fair-Handels-Unternehmen (Guaranteed Member of WFTO) und versichert den Verbrauchern, dass die Produktion sozial, ökologisch und wirtschaftlich verantwortungsvoll erfolgt.

Gesellschaftliche Hintergründe in Ghana (Daten von 2018)

Global Mamas Produzenten verdienen durchschnittlich 34% mehr als der durchschnittliche Handwerker in Ghana und dort Arbeitende haben Zugang zu Sozialversicherung, Krankenversicherung, Überstundenvergütung und bezahltem Mutterschaftsurlaub. Global Mamas ist der festen Überzeugung, dass die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen am effektivsten ist, um Armut zu lindern, stabile Familienstrukturen und eine Verbesserung für das Gemeinwohl zu schaffen.

Vor 30 Jahren beschäftigte die einstmals boomende Textilindustrie in Ghana mehr als 25 000 Arbeitnehmer, was 27% der Arbeitsplätze in der Industrie und rund 12% des ghanaischen BIP ausmachte. Heute sind nur noch ein paar hundert Arbeiter bei zwei großen Textilherstellern beschäftigt. Das Ghana Revenue Agencies Governing Board schätzt einen jährlichen Verlust von 300 Millionen GHS. Der Zusammenbruch der Branche ist zu einem großen Teil auf Probleme mangelnder Produktionsinfrastruktur, fehlender Finanzierungssysteme, hoher Stromkosten und begrenztem internationalem Marktzugang zurückzuführen. Dies hat viele hochqualifizierte, gut ausgebildete Arbeitskräfte im Textil- und Bekleidungssektor ohne Beschäftigungsmöglichkeiten zurückgelassen und in Armutszyklen gesteckt. Heute beschäftigt die gesamte verarbeitende Industrie 14 % aller offiziell Beschäftigten in Ghana, von denen nur 11 % Frauen sind.

Über ein Viertel der ghanaischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Trotz der Erreichung des ersten Millenniumsentwicklungsziels (englisch: Millennium Development Goals, MDGs), der Halbierung der Armut, steht Ghana vor großen Herausforderungen im Hinblick auf die Schaffung von menschenwürdigen Arbeitsplätzen, der Bekämpfung von Unterbeschäftigung und der Beseitigung der erheblichen geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Arbeitsmöglichkeiten.

Die Arbeitslosenquote in Ghana beträgt 11,9 %. 1,2 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten. Fast 60 % der Arbeitslosen in Ghana sind Frauen. Ebenso drängend ist die hohe Quote von Armut, trotz Beschäftigung oder nur saisonalen Beschäftigungsverhältnissen. Von den beschäftigten Frauen arbeiten etwa 85 % in diesem gefährdeten Beschäftigungsbereich und sind deshalb nicht durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen geschützt und haben kaum oder keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, sozialer Sicherheit oder anderen Leistungen durch Arbeit. 78 % der berufstätigen Frauen arbeiten in gefährdeten, marginalen, saisonalen, niederen und oft gefährlichen Beschäftigungsverhältnissen. Frauen verdienen 25% weniger als Männer für die gleiche Arbeit. Aber sie investieren 90 % ihres Einkommens in ihre Familien und Gemeinden, verglichen mit nur 35 % ihrer männlichen Kollegen. Das heißt, wenn Frauen einen Arbeitsplatz haben, gehen mehr Kinder zur Schule und bekommen eine bessere Gesundheitsversorgung, lokale Unternehmen gedeihen und die Lebensqualität steigt für jeden in der Gemeinde.

Jede sechste Person, überwiegend Frauen, ist in der globalen Modeindustrie beschäftigt, wo Arbeiten in gefährlichen Fabriken und mit kargen Löhnen die Norm sind. Diese Industrie erlebt seit einiger Zeit aber einen Wandel, da das gestiegene weltweite Interesse an ethisch produzierten Produkten eine ständig steigende Nachfrage nach "Slow Fashion" - hochwertiger, langlebiger, ethisch und umweltfreundlich produzierter Kleidung, erfährt. Ghanas Textil- und Bekleidungsindustrie hat das Potential, durch die Schaffung von Arbeitsplätzen in Ghana für Tausende von Frauen nachhaltige Lebensgrundlagen zu schaffen. Die Verbesserung des Zugangs insbesondere von Frauen zu regulären Beschäftigungsbereichen bei gleicher und gerechter Bezahlung ist von entscheidender Bedeutung für die Schaffung von Wirtschaftswachstum, der Verringerung von Armut, Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und Verringerung von Fluchtursachen.

Die enormen negativen Auswirkungen der traditionellen Bekleidungsproduktion besonders auf Frauen und die Umwelt sollten nicht länger ignoriert werden. Skalierbare Fair-Trade-Produktionsmodelle sind die Zukunft der Mode, die den Ansprüchen der Verbraucher gerecht werden, ohne die Integrität zu gefährden. Die Fair Trade Zone von Global Mamas möchte einen Akzent in der Modebranche setzen und ein reproduzierbares und skalierbares Vorbild in Afrika für eine ökonomisch nachhaltige Produktion sein, die ökologisch und sozial verantwortungsvoll durchgeführt wird. Durch das Projekt soll die Grundlage geschaffen werden, langfristig die bisherige Arbeit zu sichern und an notwendige globale Standards anzugleichen. Global Mamas hat bewiesen, dass die Herstellung in einer Fabrik unter Fair-Trade-Kriterien möglich ist und ist bereit, durch die FTZ weitere 200 dauerhafte und lebensverändernde Arbeitsplätze vor allem für Frauen im ländlichen Ghana zu schaffen. Global Mamas ist der Auffassung, dass eine Einrichtung wie die FTZ das Potential hat, die Textilproduktion in Ghana wieder aufleben zu lassen – allerdings ökologisch und fair.

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