Forum Eine Welt e.V. Backnang

Pidecafé

Aktuelles vom Projekt Pide-Kaffee in Peru vom April 2021

Verbesserung der Sozial- und Umweltbedingungen, der Technologie und der Wirtschaft in vierzehn Dörfern in Huarmaca-Huancabamba

Bericht zum technischen Fortschritt von Maria Aurora Villegas, April 2021, Zusammenfassung von Martina Gröne

Die Pandemie und ihre Folgen

Die gesamte Bevölkerung wurde ab Mitte März letzten Jahres unter eine viermonatige Quarantäne gestellt. Familien, die in die Städte emigriert waren, sahen sich nun infolge der zahlreichen informellen Beschäftigungsverhältnisse und der damit entstehenden Arbeitslosigkeit gezwungen, in ihre Geburtsorte auf dem Land zurückzukehren. …

Natürlich konnte als Folge dieser Entwicklungen das Team von Progreso nicht wie geplant arbeiten und musste sich auf technische Hilfsmittel wie WhatsApp oder Zoom verlassen, obwohl das Internet in einigen ländlichen Gebieten instabil oder nicht ausgebaut ist. …

Trotz dieser widrigen Umstände konnten einige wichtige Koordinationstreffen zwischen Progreso, Norandino und den Kommunen umgesetzt werden. …

Fortschritte gab es zum Thema Ernährung … und Biogärten …, zur Müllsammlung und -trennung …, bei der Aufforstung … und beim Kaffeeanbau ….

Pide-Kaffee schreibt: „Herzlichen Dank allen Spendern, die bei dieser Verbesserung des Lebensstandards der Menschen in Peru in schwierigen Zeiten mitgewirkt haben.“


Aktuelles von Pide-Kaffee vom April 2021

Geschichte und Entwicklungen des Pidecafés

Backnangs Kaffeebohnen wachsen in Nordperu
Pidekaffee – eine Erfolgsgeschichte des Fairen Handels
Minenkonzerne bedrohen die Entwicklung

Stand: April 2021

Die Anfänge von Pidecafé in Peru, einem Erfolgsprojekt der baden-württembergischen Nord-Süd-Zusammenarbeit, gehen in die 1980er Jahre zurück. In Bad Urach hatte sich die Initiative Überleben Bad Urach die Entwicklungszusammenarbeit mit Peru zum Ziel gesetzt und unterstützt das Kaffeeprojekt PIDECAFÉ seit 1992. Als eine prägende Persönlichkeit kam der Biologe Rudolf Schwarz von der Initiative Überleben Bad Urach 1992 als Berater für etwa 300 Kleinbauernfamilien zu PIDECAFÉ (Abkürzung für Integrierte Entwicklung im Kaffeeanbau) in Nordperu. In der Folge wurde gemeinsam mit Aktiven vor Ort in den ersten drei Jahren überalterte Kaffeesträucher zurückgeschnitten, Komposte angelegt und Baumschulen und Parzellen in Mischkultur mit Obstbäumen begründet.

Doch noch fehlten die Absatzmärkte. 1995 überzeugte dann der Backnanger Albrecht Oethinger die Fair Handelsorganisation GEPA, den ersten halben Container mit Kaffeebohnen abzunehmen. Eine der ersten Verkaufsstellen war der Weltladen in Backnang. Allerdings ließ die Kaffee-Qualität sehr zu wünschen übrig. In den folgenden Jahren wurde deshalb stark in die Kaffeeaufbereitung und Qualitätssteigerung vor Ort investiert. Parallel entstand der Kaffeebauernverband Cepicafé auf Initiative von PIDECAFÉ mit einem Startkapital von 5.000,- DM, der sich um die Vermarktung kümmern sollte.

Unser Start

Bei einem Vortrag in Backnang im Frühjahr 2017 gab Susanne Sauer (Initiative Überleben Bad Urach) mit eindrucksvollen Bildern Einblicke in die ersten nordperuanischen Projektdörfer Montero und Lalaquiz. Zu sehen waren fruchtbare Parzellen mit gepflegten Kaffeepflanzen, Obst und Gemüse, dieseit ihrer Begründung vor 25 Jahren mit viel Sachverstand und Initiative nachhaltig bewirtschaftet werden. Etwa entwickelten die Bauern eine wassersparende Bewässerung durch Beregnung und begegnen so zugleich der Bodenerosion. Die Kaffeebohnen werden dort heute vor Wetter und Tieren geschützt in Zelten getrocknet – nicht mehr wie früher auf Betonplatten unter freiem Himmel. Beratung brauchen die Kaffeebauern in Montero und Lalaquiz längst nicht mehr, wie auch die Menschen in San Cristobal um Santos Lizana. Heute sind sie selbst Multiplikator/innen und unterstützen interessierte Bauern aus weiteren Dörfern. Inzwischen haben heute insgesamt über 10 000 Kleinbauern-Familien ein solides Einkommen durch den Anbau und der Vermarktung von Kaffee, Kakao und Zuckerrohr.

Klimawandel stellt neue Herausforderungen

Neue Herausforderungen stellt der Klimawandel. Im Dorf Montero ging die Kaffeeernte zurück.Durch die steigenden Temperaturen sind die Pflanzen für den Kaffeerost anfällig geworden. Heute bewährt sich, dass die Bauern schon frühzeitig auf eine diversifizierte Produktion gesetzt haben und in den Anbau und die Weiterverarbeitung von Kakao und Zuckerrohr (Panela) eingestiegen sind. Auch die ursprünglich auf den Kaffeeanbau ausgerichtete Beraterorganisation PIDECAFÉ hat sich längst weiterentwickelt. Aus ihr entstand die Organisation PROGRESO (Promocion del la Gestion rural Economica y Social – Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung auf dem Land), die berät und begleitet. PROGRESO stellt auch das erste, biologische Saatgut zur Verfügung.

Was sich in den vergangenen Jahren verändert hat

Die Aufgeschlossenheit für Neues und die Kreativität der Bauern und Bäuerinnen sind auch eine Folge der Projektarbeit. „Erst wenn ich mich nicht mehr ums tägliche (Über)Leben kümmern muss, habe ich dafür den Kopf frei.“ beschreibt eine Kaffeebäuerin die Situation sehr eindrücklich. Der erste Schritt in neuen Projektdörfern ist deshalb immer die Existenzsicherung. Weiterer wichtiger Baustein ist die Schulung von Promotoren, die Erfahrung und Wissen multiplizieren und dadurch gleichzeitig an Selbstbewusstsein gewinnen. Im Distrikt Huarmaca in Nordperu, der als sehr arm gilt, wurden ab 2010 weitere sieben Kaffeedörfer in das Entwicklungsprojekt mit einbezogen. Nach der Existenzsicherung standen im zweiten Projektschritt die Einkommenssicherung durch die Herstellung von Qualitätsprodukten und die Verbesserung der Ernährungs- und Lebensbedingungen im Vordergrund. Das Projekt wurde vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) mit einem Zuschuss von 75% unterstützt. Die 25%, die die Initiative Überleben Bad Urach beitragen musste, ermöglichten Spenden und Gelder von unterstützenden Weltläden in Baden-Württemberg. Auch das Forum Eine Welt e.V. Backnang hat das Projekt gefördert. 2020 wurde das Gebiet mit dem „Projekt der 14 Dörfer“ weiter ausgedehnt. Das Projektvolumen hat 2021 einen Umfang von 55.000,- Euro. Derzeit werden Spenden gesammelt.

Vom Erfolg der Zusammenarbeit konnten sich Vertreter/innen verschiedener baden-württembergischer Weltläden bei einer Reise im August 2016 überzeugen. Sie sahen in den 1 500 – 1 800 m hoch gelegenen Dörfern statt der früheren verrußten Küchen gut funktionierende, verbesserte Kochherde mit Kaminen, die einen effizienteren Brennstoffeinsatz gewährleisten und nebenbei auch das Risiko für Bronchialkrankheiten senken. Aus Eigeninitiative entstanden transparente Dacheinsätze, die die Räume erhellen. In neu angelegten Gemüsegärten wachsen traditionelle Heilkräuter und eine Vielzahl von Gemüsesorten, die eine gesunde Ernährung ermöglichen. Die Aufforstung zeigt erste Wäld chen, manchmal kombiniert mit Kaffeepflanzen. Schon jetzt können einige Dörfer einen ansehnlichen Kaffeeertrag ernten, und in zwei Jahren soll der Kaffee über die Organisation Norandino (früher Cepicafé) vermarktet werden. Diese Vermarktung gewährleistet heute eine Grundsicherung für die inzwischen fast 10 000 Bauernfamilien. Der Kaffee wird weltweit verkauft. Für Öko und Fair gibt es die wichtigen Zuschläge, um in den Kooperativen gemeinschaftliche Investitionen vornehmen zu können.

Alles gut also in der Erfolgsgeschichte rund um Pidekaffee?

Leider nicht. Aktuell bedrohen geplante Minen sämtliche erreichten Fortschritte im Pidekaffeegebiet. Die Schürfkonzession für eine Gold- und Kupfermine im nahe liegenden Rio Blanco, nahe der ecuadorianischen Grenze, wurde vom peruanischen Staat an einen chinesischen Minenkonzern verkauft. „Nach peruanischem Recht haben zwar die Gemeinden oder die Bauern einen Besitztitel für ihr Land, allerdings nur für die obersten 20-30 cm, der darunter liegende Grund gehört dem Staat.“ so Susanne Sauer von der Initiative Überleben Bad Urach. Betroffen von den Minen sind die Bauern selbst dann, wenn sie nicht direkt enteignet werden. Denn die Minen liegen hoch genug, um die Wasserzuflüsse für tieferliegende Regionen u. a. mit Quecksilber zu verseuchen. Eine ökologische Landwirtschaft ist dann nicht mehr möglich.

Noch ist die Solidarität der Bauern gegen die Mine sehr hoch. Gleichzeitig versuchen die Minenkonzerne massiv, mit leider oft leeren Versprechungen und auch mit Einschüchterungen, ihre Interessen durchzusetzen. Es wurde ein Fond eingerichtet (Stichwort Mine), der unter anderem Informationsreisen für betroffene Bauern in die Minengebiete Cajamarca und La Oroya finanziert, um sich dort im Austausch mit der betroffenen Bevölkerung über Gefahren und Folgen informieren zu können und der Anwaltskosten finanziert. Auch wir als FEW haben in den vergangenen Jahren diesen Fond mit 4.500,- € unterstützt.

Und Corona?

Obwohl Peru bereits am 15. März 2020 die Landesgrenzen schloss und strikte Quarantäne inklusive Lock-Downs anordnete, gehört es zu den am meisten von Corona betroffenen Ländern. Das Virus breitet sich vor allem in den Armenvierteln aus. Beengte Wohnverhältnisse und schwierige sanitäre Bedingungen tragen dazu bei. Zudem müssen viele Menschen als „ambulantes“ und „informales“, also inoffiziell Gewerbetreibende, ihren täglichen Lebensunterhalt auf der Straße verdienen. Die Todesrate der COVID-19 Patienten ist hoch.

Nach dem totalen Lock-Down konnte unsere Partnerorganisation PROGRESO ab Juni 2020 wieder vor Ort in den Kaffeedörfern ihre Arbeit aufnehmen und Beratungen durchführen. Der PIDE-Kaffee konnte geerntet und aufgearbeitet und mit dem Rohrzucker und Kakao über den fairen Handel vermarktet werden, so dass das Jahreseinkommen der Kaffeebauern und -bäuerinnen gesichert ist.

Spendenkonten

Netzwerk Bergwerk: Arbeitskreis 3. Welt Tuttlingen e.V.,Stichwort: Netzwerk-Bergwerk - Redad
IBAN: DE42 64390130 0002460017, Volksbank Donau-Neckar

Initiative Überleben Bad Urach, DE02 6405 0000 0000 3440 27, Kreissparkasse Bad Urach

Hintergrundinformation: Pidekaffee

Fotos: mit freundlicher Genehmigung von Susanne Sauer, Initiative Überleben Bad-Urach aus www.pidecafé.de.

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